23 September 2018

Tryon 2018: Tagebuch Samstag, 22. September

Der Marathontag war leider keine Erfolgsgeschichte für das deutsche Team. Eine Aufholjagd sollte es werden, wobei vor allem die positiven Erwartungen auf den Auftritten der beiden Geländespezialisten Georg von Stein und Christoph Sandmann lagen. Sie sollten es richten. Aber es kam alles ganz anders, und die Hoffnungen der deutschen Mannschaft und der deutschen Fans endeten spätestens am Hindernis 5 dieser Marathonfahrt. Aber der Reihe nach:

Georg von Stein ging als Erster aus der deutschen Mannschaft an den Start, legte zunächst tolle Zeiten vor und fuhr eine Bestzeit nach der anderen. Aber in Hindernis 5 war es eine kurze Unaufmerksamkeit des Fahrers, der eine nicht vorhergesehene Reaktion der Vorderpferde folgte. Beide Vorderpferde wollten partout nicht in eine Gasse hinein, brachen nach rechts und nach links aus, und der Deutsche Meister entschied sich dann, eine Volte zu fahren, die natürlich viel Zeit kostete. Darüber hinaus fielen in diesem Hindernis noch zwei Bälle; dies alles summierte sich, so dass der Mann aus Herchenrode rund 11 – 12 Punkte gegenüber der starken Konkurrenz an diesem Hindernis verlor. Da nützte es auch nichts, dass Georg von Stein danach noch Top-Zeiten nach Hause brachte. Schnell war damit aber auch klar, dass hiermit der Traum von einer deutlichen Verbesserung der Mannschaft im Nationenpreis ausgeträumt war.


Mareike Harm
Foto: Karolina Swärdh

Christoph Sandmann startete furios, begann zunächst auch in Hindernis 4 stark. Allerdings hatte er dann dort zum ersten Mal leichte Probleme, als er zunächst an einer Ecke hängenblieb, und dann auch in demselben Hindernis an anderer Stelle seine Vorderpferde nicht so ganz den Hilfen des Routiniers aus Lähden folgen wollten. Wertvolle Sekunden gingen in diesem Hindernis so verloren. Aber in Hindernis 5, in dem schon Georg von Stein so große Probleme hatte, kam es noch schlimmer für Christoph Sandmann. Sein linkes Stangenpferd sprang in die Vorderbracke und stürzte. Auf den ersten Blick war nicht erkennbar, was der Grund für diesen Sturz war. Jedenfalls blieb die Stute liegen. Man befürchtete das Schlimmste. Wirklich sofort waren Helfer herbeigeeilt. Das Pferd wurde sofort mit Eis gekühlt, um auf einen eventuellen Kollaps richtig reagieren zu können. Aber es stellte sich heraus, dass zum Glück nichts von dem zutraf. Die Stute war durch den Sturz nur etwas benommen und erholte sich ganz kurzfristig wieder. Aber die Fahrt war für den deutschen Top-Fahrer damit beendet. Große Enttäuschung natürlich auf der einen Seite über diesen Vorfall und die sich daraus ergebenden Konsequenzen; andererseits aber Erleichterung, dass der Stute nichts Ernsthaftes passiert war.

Mareike Harm als letzte deutsche Starterin zeigte eine couragierte und flüssige Fahrt bei fast tropischen Bedingungen. Es hat Spaß gemacht, ihr zuzuschauen. In der Endabrechnung kam sie auf einen achtbaren 13. Platz.

Trotz seines Missgeschicks rangierte Georg von Stein noch auf Rang 8 in dieser Marathonfahrt. Man kann sich leicht ausrechnen, was an diesem Tag und auch im Hinblick auf die Gesamtwertung für den Deutschen Meister – trotz schwächerer Dressur – möglich gewesen wäre ohne diesen Vorfall im Hindernis 5.

Die Niederländer, als große Favoriten im Vorfeld auf den Sieg im Nationenpreis gehandelt, erlebten Licht und Schatten. Koos de Ronde hieß auf der einen Seite der strahlende Sieger der Marathonfahrt. Er legte eine souveräne Runde hin und gewann mit Weile vor dem wieder einmal bravourös mit seinen Freibergern fahrenden Schweizer Jerome Voutaz. Auf der anderen Seite leisteten sich Vater und Sohn Chardon jeweils ein korrigiertes Verfahren. Vater Ijsbrand gleich zu Beginn in Hindernis 1, sein Sohn Bram dann in Hindernis 4.

Top-Favorit Boyd Exell folgte auf Platz 3 am heutigen Tag. Er fuhr erkennbar ein wenig auf Sicherheit. Nach seinem Dressurergebnis absolut nachvollziehbar.

Stark auch der Belgier Edouard Simonet auf Rang 4 und Lokalmatador Chester Weber auf Rang 5.

In der Nationenpreiswertung führen etwas überraschend die Amerikaner mit deutlichem Vorsprung vor den Belgiern, die wiederum knapp vor den Top-Favoriten aus den Niederlanden liegen. Die überragenden Dressurergebnisse von Chester Weber und Misdee Wrigley-Miller reichten aus, um die Spitzenposition zu behalten und auch als Favoriten jetzt ins morgige Finale zu gehen.

Über das Ergebnis von Bram Chardon gab es später einige Diskussionen, weil, soweit zu hören war, es einen Zeitübertragungsfehler an einem Hindernis gab. Aber der entsprechende Einspruch der Niederländer wurde als verspätet gewertet.

Deutschland ist immer noch (natürlich nach diesem Marathontag) Letzter in der Nationenpreiswertung. Zur Bronzemedaille beträgt der Abstand rund 15 Punkte. Nur ganz große Optimisten können dem Gedanken nachgehen, dass die Niederländer sich im Kegelparcours noch einmal solche Blackouts leisten wie am heutigen Tag.

Obwohl das Gelände der Marathonfahrt etwas abseits des eigentlichen Turnierplatzes liegt, war es ein gut besuchter Tag. Die amerikanischen Zuschauer unterstützten alle Fahrer mit Beifall, natürlich aber besonders enthusiastisch ihre Landsleute.

Die Stimmung bei den Deutschen geknickt. Die hohen Erwartungen vor diesen Weltreiterspielen werden sich leider nicht erfüllen. Aber der heutige Tag war wirklich auch ein gebrauchter Tag für das deutsche Team. Wirklich schade, dass dies gerade bei den Weltreiterspielen in den USA passieren musste.

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